Flexible Stromnachfrage könnte Deutschlands Netz stabilisieren – doch nur mit Anreizen
Flexible Stromnachfrage könnte Deutschlands Netz stabilisieren – doch nur mit Anreizen
Deutschland sucht nach Wegen, das Stromnetz durch eine flexible Nachfragesteuerung statt durch bloße Erhöhung des Angebots auszugleichen. Eine neue Studie zeigt, wie Industrie und Haushalte dabei eine zentrale Rolle spielen könnten. Im Fokus stehen die süddeutschen Bundesländer, wo der Energieverbrauch hoch ist, die Erzeugung erneuerbarer Energien aber begrenzt bleibt.
Die südlichen Regionen Baden-Württemberg und Bayern verbrauchen zusammen etwa 30 Prozent des deutschen Stroms. Allein die Industrie macht dabei 55 bis 60 Prozent der Nachfrage aus, mit Spitzenlasten von rund 14 Gigawatt (GW). Über 1 GW des industriellen Strombedarfs in diesen Ländern ließe sich bei Vorankündigung für 30 Minuten bis zwei Stunden vorübergehend drosseln.
Auch Haushalte bergen ungenutztes Potenzial: Studien zufolge könnten mehr als 1,3 GW an flexibler Last verschoben werden, ohne den Alltag zu beeinträchtigen. Steuerbare Geräte wie Wallboxen, Wärmepumpen und Batteriespeicher sollen es Netzbetreibern ab Anfang 2025 ermöglichen, den Verbrauch gezielt anzupassen.
Doch die Teilnahme hängt vermutlich von finanziellen Anreizen ab. Unternehmen werden sich voraussichtlich nur an Nachfragesteuerungsprogrammen beteiligen, wenn sie dadurch Stromkosten um mehr als fünf Prozent senken können. Der noch junge Markt für Demand Response wächst zwar langsam, bleibt aber überschaubar.
Das Ungleichgewicht in Deutschlands Stromversorgung ist eklatant: Während der Norden über den Großteil der Kernkraft- und Windkapazitäten verfügt, dominiert im Süden die energieintensive Industrie. Eine Studie der Agora Energiewende argumentiert, dass eine gleichmäßigere Verteilung des Stroms die Netzbelastung ohne zusätzliche Kosten verringern könnte.
Die Verschiebung der Nachfrage statt der bloßen Ausweitung des Angebots könnte helfen, das deutsche Stromnetz zu stabilisieren. Flexibilität in Industrie und Haushalten bietet eine praktikable Lösung – auch wenn Kostenvorteile nötig sein dürften, um die Beteiligung zu fördern. Gleichzeitig ließe sich so die Abhängigkeit von langfristigen Stromtransfers zwischen den Regionen verringern.
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