TI-Anschluss für Therapeuten: Frist bis 2027 verlängert – doch wer profitiert wirklich?
Emma KrausTI-Anschluss für Therapeuten: Frist bis 2027 verlängert – doch wer profitiert wirklich?
Die Frist für Therapeuten und Anbieter medizinischer Hilfsmittel, sich an die Telematikinfrastruktur (TI) Deutschlands anzuschließen, wurde um fast fünf Jahre verschoben. Ursprünglich für Januar 2023 vorgesehen, gilt nun Oktober 2027 als neuer Stichtag. Die Verzögerung folgt auf technische Herausforderungen bei der Einführung elektronischer Rezepte für therapeutische und medizinische Hilfsmittel.
Von der verlängerten Frist profitieren rund 90.000 Anbieter. Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) begrüßt die Entscheidung und argumentiert, dass so mehr Zeit bleibe, die Infrastruktur zu optimieren. Gleichzeitig wirbt das Deutsche Medizinrechenzentrum (DMRZ) für eine freiwillige frühzeitige Nutzung der TI, um letzte-minute-Probleme zu vermeiden.
Die Verschiebung hat jedoch finanzielle Folgen für einige Unternehmen. Der IT-Dienstleister Cherry, der auf Lösungen für den Gesundheitssektor spezialisiert ist, verzeichnet durch die Verzögerung Millionenverluste. Als Reaktion konzentriert sich das Unternehmen nun auf lukrativere Projekte wie sein Terminal-Management-System (TMS) und den TI-Messenger (TIM). Die TIM.Pro-Lösung des Unternehmens erhielt kürzlich die gematik-Zertifizierung – eine zentrale Voraussetzung für die TI-Kompatibilität.
Obwohl die Fristverlängerung den Anbietern Spielraum verschafft, könnten diejenigen, die zu lange warten, frühe Vorteile verpassen. Andere Digital-Gesundheitsinitiativen, etwa vereinfachte Antragsverfahren für Hilfsmittel oder die elektronische Patientenakte (ePA), schreiten derweil voran. Allerdings gibt es bisher keine offiziellen Stellungnahmen der Bundesregierung zu den spezifischen Herausforderungen oder Vorteilen elektronischer Rezepte für medizinische Hilfsmittel.
Die neue Frist bis Oktober 2027 gibt den Anbietern mehr Zeit, sich auf die TI-Integration vorzubereiten. Unternehmen wie Cherry passen ihre Strategien an, um finanzielle Einbußen auszugleichen. Der Fokus liegt derzeit darauf, die Infrastruktur zu verbessern und eine frühzeitige Nutzung zu fördern.






