Pharma- und Biotechbranche warnt vor Standortverlust Deutschlands durch politische Fehlentscheidungen
Moritz PetersPharma- und Biotechbranche warnt vor Standortverlust Deutschlands durch politische Fehlentscheidungen
Fünf große Verbände der Pharma- und Biotechnologiebranche haben Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zu sofortigem Handeln aufgefordert. Sie warnen, dass Deutschlands Position als führender Standort der Branche in Gefahr ist. Im Mittelpunkt der Sorgen stehen Handelspolitik, Arzneimittelpreisregelungen und die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern wie China.
Die Verbände kritisierten das kürzlich verabschiedete GKV-Finanzstabilisierungsgesetz scharf, da es Unsicherheit in der Branche schaffe. Sie argumentierten, dass das Gesetz in einer Phase, in der langfristige Planung entscheidend sei, zusätzliche Instabilität bringe. Gleichzeitig räumten sie ein, dass der jüngste Pharma-Dialog dazu beigetragen habe, etwas Vertrauen in den Regierungsansatz wiederherzustellen.
Die Verbände forderten eine ressortübergreifende Strategie, um die Marktbedingungen für die deutsche Pharmaindustrie zu verbessern. Sie betonten die Notwendigkeit von Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit schützen und den Zugang zu innovativen Arzneimitteln sichern. Zu den Vorschlägen gehörten Bürokratieabbau, der Ausbau der digitalen Infrastruktur und eine Reform der Arzneimittelbewertungsverfahren, um personalisierte Therapien zu fördern.
Geopolitische Risiken standen ebenfalls im Fokus. Die Unterzeichner wiesen auf die starke Abhängigkeit Deutschlands von China bei essenziellen pharmazeutischen Wirkstoffen und Technologien hin. Sie drängten darauf, mehr Produktion nach Deutschland oder Europa zu verlagern, um Lieferketten abzusichern.
Obwohl die aktuelle Pharma-Strategie der Regierung – erarbeitet in sechs Arbeitsgruppen – bis Herbst 2026 die Stärkung des Sektors zum Ziel hat, forderten die Verbände einen klareren Fahrplan. Sie verwiesen darauf, dass ihre eigenen Reformvorschläge zwar eingereicht worden seien, bisher aber keine offizielle Rückmeldung erhalten hätten.
Kategorisch lehnten die Verbände Ideen wie strengere Preisobergrenzen für patentgeschützte Medikamente oder verschärfte mengenbasierte Preisregelungen ab. Stattdessen pochten sie auf eine Politik, die Investitionen fördert, statt kurzfristige Kostensenkungen zu betreiben.
Die Forderungen der Verbände sind deutlich: ein stärkeres, planungssichereres Rahmenwerk für die Pharmaindustrie. Ohne entschlossenes Handeln, so ihre Warnung, drohe Deutschland in Sachen Innovation und Versorgungssicherheit den Anschluss zu verlieren. Die nächsten Schritte der Pharma-Strategie werden zeigen, ob diese Bedenken ernst genommen werden.






