Daniel Kretinsky gerät im Parlament wegen Royal-Mail-Krise unter massiven Druck
Moritz FischerDaniel Kretinsky gerät im Parlament wegen Royal-Mail-Krise unter massiven Druck
Daniel Kretinsky, der milliardenschwere Eigentümer der Royal Mail, musste sich im Parlament scharfer Kritik an der schlechten Performance des Unternehmens stellen. Bei einer hitzigen Anhörung vor Abgeordneten flogen Vorwürfe der Unehrlichkeit, einige Politiker drohten sogar, ihn in künftigen Sitzungen unter Eid zu stellen. Der tschechische Unternehmer, der wegen seiner verschlossenen Art den Spitznamen "Tschechische Sphinx" trägt, blieb trotz des Drucks gelassen – ganz anders als die antike Statue, mit der er oft verglichen wird.
Kretinsky hatte die Royal Mail Ende 2023 für 3,6 Milliarden Pfund übernommen. Seither ist die Pünktlichkeit des Dienstes dramatisch gesunken. Der Anteil rechtzeitig zugestellter Briefe fiel von etwa 90 % im Jahr 2023 auf nur noch 67,4 % im letzten Quartal 2024 – der schlechteste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Selbst Anfang 2026 lag die Leistung weiterhin unter der von der Regulierungsbehörde Ofcom vorgegebenen Zielmarke von 92,5 %, verschärft durch Streiks und operative Probleme.
Während der Anhörung räumte Kretinsky ein, dass im vergangenen Jahr 220 Millionen Briefe zu spät ankamen. Er nannte die Situation "nicht ideal", argumentierte jedoch, keine andere europäische Postgesellschaft unterliege derart strengen Zustellvorgaben wie die Royal Mail. Zudem betonte er, es gehe ihm bei der Übernahme nicht primär um Profit, sondern um die Herausforderung, das Unternehmen zu retten.
Die Abgeordneten ließen sich davon nicht überzeugen. Einer verglich die angespannte Sitzung mit Charlie, einem Jack Russell Terrier aus Gloucestershire, der für seine Jagd auf Postautos bekannt ist. Ein anderer schlug vor, der Schauspieler Peter Sellers hätte Kretinsky in einem Film perfekt verkörpern können. Der Unternehmer verteidigte unterdessen die Portokosten von 1,70 Pfund für einen Brief von Brighton nach Schottland – eine "anspruchsvolle Leistung" für diesen Preis, wie er betonte.
Die Anhörung endete ohne Eskalation: Kretinsky behielt die Fassung, während die Abgeordneten frustriert blieben. Die Leistung der Royal Mail bleibt unter scharfer Beobachtung – Besserung ist nicht in Sicht. Die Tür für weitere Befragungen steht offen, möglicherweise diesmal unter Eid.






