Öffentlich-rechtliche Sender vernachlässigen Wirtschaftsthemen in Talkshows laut INSM-Studie
Moritz FischerÖffentlich-rechtliche Sender vernachlässigen Wirtschaftsthemen in Talkshows laut INSM-Studie
Ein neuer Bericht kritisiert die öffentlich-rechtlichen Sender Deutschlands dafür, wirtschaftliche Themen in ihren Talkshows zu vernachlässigen. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wirft ARD und ZDF vor, keine ausgewogene Berichterstattung zu bieten. Den Erkenntnissen zufolge sind Diskussionen über Wirtschaftspolitik in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.
Laut der INSM-Analyse von Talkformaten lag der Anteil wirtschaftspolitischer Themen in den Sendungen 2025 bei nur noch 20 Prozent – 2023 waren es noch 33 Prozent. Selbst wenn wirtschaftliche Fragen behandelt wurden, fehlten oft Vertreter aus der Wirtschaft. In 32 Prozent dieser Sendungen kam weder ein Unternehmer noch ein Branchenexperte zu Wort.
Unter den untersuchten Formaten stach hart aber fair hervor: 39 Prozent der Ausgaben widmeten sich wirtschaftlichen Themen, und regelmäßig wurden Wirtschaftvertreter eingeladen. Dagegen schnitt Maischberger schlecht ab – in 80 Prozent der wirtschaftsbezogenen Folgen fehlte jede unternehmerische Perspektive.
Die Gästelisten waren stark von Politikern (41 Prozent), Journalisten (27 Prozent) und Ökonomen (14 Prozent) dominiert. Unternehmer machten nur fünf Prozent der Teilnehmer aus, Vertreter von Wirtschaftsverbänden lediglich zwei Prozent. INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben kritisierte, dass diese Schieflage ein angemessenes Verständnis wirtschaftlicher Herausforderungen verhindere.
Alsleben warnte zudem, Deutschland stehe vor der längsten Wirtschaftsschwäche seit Gründung der Bundesrepublik. Er warf den Sendern vor, ihren öffentlichen Auftrag zu missachten, indem sie ausgewogene Berichterstattung nicht ernst nähmen. Sein Appell für eine stärkere Einbindung von Wirtschaftsvertretern ziele darauf ab, die aktuelle Krise wirksamer zu bewältigen.
Der Bericht zeigt eine klare Abkehr von wirtschaftspolitischen Debatten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Da Unternehmerstimmen seltener zu hören seien, fehlten den Zuschauern laut INSM wichtige Perspektiven. Die Sender haben sich bisher nicht zu der Kritik geäußert.






