26 March 2026, 12:16

ARD testet längere Tagesschau – kann das die Quoten retten?

Schwarze und weiße Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Schlagzeile 'Weitpreubliche Zeitung' und einem Foto von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung in einer feierlichen Umgebung.

ARD testet längere Tagesschau – kann das die Quoten retten?

Die ARD testet seit Kurzem eine 30-minütige Version der Tagesschau zur Hauptsendezeit – zunächst montagsabends um 20:15 Uhr. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund sinkender Zuschauerzahlen des Flaggschiffs der Nachrichtensendungen, die von 7,5 Millionen im Jahr 2021 auf etwa 4,8 Millionen 2025 gefallen sind – ein Rückgang um rund 36 Prozent. Kritiker und Branchenexperten sind uneins, ob das längere Format diesen Trend umkehren oder die Zuschauer noch weiter vergraulen wird.

Mit der verlängerten Testausgabe will die ARD den Quotenverlust durch vertiefte Analysen und die Verknüpfung globaler Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen entgegenwirken. Jörg Schönenborn, Programmdirektor des WDR, argumentiert, eine längere Sendedauer mache Nachrichten relevanter für den Alltag. Er präsentiert die Änderung als Möglichkeit, das Vertrauen in die Medien zu stärken und die Zuschauer effektiver einzubinden.

Doch der Widerstand gegen die Pläne ist groß. FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld warnt, eine 30-minütige Tagesschau könnte Konkurrenten verdrängen und den Abend für die Zuschauer beeinträchtigen. Die Journalistin Aurelie von Blazekovic von der Süddeutschen Zeitung bezeichnet den Schritt als fragwürdigen Versuch, Zuschauer zu ködern, während Anna Mayr von der Zeit betont, das eigentliche Problem liege nicht in der Länge, sondern in der Qualität.

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Daten zeigen, dass jüngere Zuschauer kürzere Formate bevorzugen – On-Demand-Angebote und die TikTok-ähnliche Tagesschau Xpress gewinnen an Beliebtheit. Einige Kritiker halten 15 Minuten für ausreichend, um Nachrichten zu vermitteln, und befürchten, dass eine längere Sendung mit dem ARD-Abendprogramm kollidieren könnte. Zudem ist der Entscheidungsprozess innerhalb der ARD komplex, sodass eine endgültige Bewertung des verlängerten Formats noch Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

Vorerst bleibt der Testlauf befristet – unklar ist, ob die Änderung dauerhaft umgesetzt wird. Der erweiterte Tagesschau-Versuch spiegelt die Bemühungen der ARD wider, sich an veränderte Sehgewohnheiten anzupassen. Angesichts sinkender Quoten und einer jüngeren Zielgruppe, die kürzere Inhalte bevorzugt, steht der Sender vor der Herausforderung, Tradition und moderne Ansprüche in Einklang zu bringen. Die endgültige Entscheidung über das 30-Minuten-Format hängt von der Zuschauerresonanz und internen Diskussionen ab.

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