Spionage-Verdacht am CISPA: Helmholtz-Zentrum in Saarbrücken unter Untersuchung
Theo KönigSpionage-Verdacht am CISPA: Helmholtz-Zentrum in Saarbrücken unter Untersuchung
Das CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit in Saarbrücken steht unter Verdacht, in chinesische Wissenschaftsspionage verwickelt zu sein, und wird nun untersucht. Das 2011 gegründete und seit 2019 zur Helmholtz-Gemeinschaft gehörende Institut sieht sich nach einem Bericht des Handelsblatts mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Im Mittelpunkt stehen mögliche Abflüsse sensibler Daten und Fachwissen nach China.
Bedenken kamen auf, nachdem eine Untersuchung auffällige Zusammensetzungen von Forschungsgruppen aufgedeckt hatte. In einem Fall stammten 18 von 19 Mitgliedern eines Teams aus China, eine andere Gruppe bestand ausschließlich aus chinesischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Diese Erkenntnisse warfen Fragen zur Sicherheit gemeinsamer Projekte auf.
Der Institutsleiter Michael Backes wurde vorläufig von seinen Aufgaben enthoben, während die Vorwürfe geprüft werden. Er hat seine Suspendierung öffentlich unterstützt und die Entscheidung begrüßt, eine Sonderprüfung einzuleiten. Ein unabhängiger Prüfer wird nun die Aktivitäten des Instituts untersuchen.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung zeigt sich zurückhaltend und will abwarten, bis die Ergebnisse der Prüfung vorliegen, bevor es offiziell Stellung bezieht. Die Kontroverse wirft zudem Schatten auf die allgemeine deutsch-chinesische wissenschaftliche Zusammenarbeit – indirekt geraten nun auch Partnerschaften außerhalb des CISPA unter Druck. Unterdessen laufen die Pläne für einen Neubau des Zentrums im Wert von 350 Millionen Euro weiter.
Die Sonderprüfung wird über das weitere Vorgehen für das CISPA und seine Führung entscheiden. Die Reaktion des Bundesministeriums hängt von den Erkenntnissen der Prüfer ab. Der Fall hat bereits jetzt Auswirkungen auf die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und China.
