Rechtsstreit um Stada-Übernahme eskaliert: OLG Frankfurt urteilt gegen Nidda Healthcare
Moritz PetersRechtsstreit um Stada-Übernahme eskaliert: OLG Frankfurt urteilt gegen Nidda Healthcare
Der jahrelange Rechtsstreit um die Übernahme von Stada im Jahr 2017 hat eine neue Wendung genommen. Das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) wies kürzlich eine Berufung der Nidda Healthcare ab und urteilte, dass das Unternehmen böswillig gehandelt habe. Unterdessen haben sich die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven nach acht Jahren vollständig aus dem Pharmakonzern zurückgezogen.
Der Konflikt geht auf die Übernahme von Stada im Jahr 2017 zurück, als Bain Capital und Cinven den Aktionären 66,00 Euro pro Aktie boten. Seither haben Dutzende ehemalige Anleger Klagen auf zusätzliche Entschädigungszahlungen eingereicht. Noch 44 Verfahren sind beim OLG anhängig, wobei die Kläger geltend machen, ihnen stehe mehr als das ursprüngliche Angebot zu.
In einem Fall fordert ein in Luxemburg ansässiger Vermögensverwalter rund 4,7 Millionen Euro – die Differenz zwischen dem Übernahmepreis und der garantierten Mindestentschädigung. Ein weiterer Privatanleger verlangt fast 140.000 Euro zuzüglich Zinsen seit August 2017. Das OLG hat in mehreren Fällen zugunsten dieser Klagen entschieden und Niddas Versuche abgelehnt, sie mit Verjährungsargumenten zu blockieren.
Das Gericht kam zu dem Schluss, dass Nidda durch den Hinweis auf Fristabläufe böswillig gehandelt habe, und ebnete damit den Weg für die Weiterführung der Verfahren. Zwar sind die Urteile noch nicht rechtskräftig und können noch mit Rechtsmitteln angefochten werden, doch hatten bereits frühere Entscheidungen des Bundesgerichtshofs (BGH) und des OLG die Ansprüche der Aktionäre auf Nachzahlungen bestätigt.
Unabhängig davon haben Bain und Cinven ihre letzten Anteile an Stada veräußert. Die britische Beteiligungsgesellschaft CapVest Partners hält nun eine Mehrheit von 68 Prozent, während Bain und Cinven gemeinsam 31 Prozent behalten. Die Unternehmensführung besitzt die verbleibenden 1 Prozent.
Die jüngsten Entscheidungen des OLG lassen weitere Entschädigungsklagen ehemaliger Stada-Aktionäre zu. Mit CapVest als neuem Mehrheitseigner geht das Unternehmen unter neuer Führung in die Zukunft. Der Rechtsstreit bleibt jedoch weiterhin offen, da weitere Berufungen möglich sind.






