Neue deutsche Traditionen als Kulturerbe – doch die Auswahl sorgt für Streit
Moritz FischerNeue deutsche Traditionen als Kulturerbe – doch die Auswahl sorgt für Streit
Deutschland hat neue Traditionen in seine Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zu den jüngsten Ergänzungen zählen die Schaustellerkultur auf Jahrmärkten, die Fischerei in der Ostsee und die Herrenschneiderei. Doch die Auswahl hat eine Debatte darüber ausgelöst, was offizielle Anerkennung verdient.
Einige bekannte Aspekte des deutschen Lebens – wie der Döner Kebab oder lokale Buchhandlungen – wurden nicht berücksichtigt. Gleichzeitig steht das Auswahlverfahren selbst in der Kritik, zu selektiv zu sein.
Die Kultusministerkonferenz, gemeinsam mit dem Staatsminister für Kultur, Wolfram Weimer, und der Deutschen UNESCO-Kommission, gab die Neuzugänge bekannt. Dazu gehört das handwerkliche Können der Herrenschneiderei, das nun als immaterieller Schatz geschützt wird. Dennoch bleibt die Frage, wie sehr sich diese Tradition von der Schneiderkunst in anderen europäischen Ländern unterscheidet.
Eine weitere neu anerkannte Tradition ist die Schaustellerkultur auf Jahrmärkten. Ein historisches Gesuch nach einem "Jungen Mann für Reisen" ist zu einem Symbol dieses lebendigen Erbes geworden. Auf der Liste stehen außerdem die Ostseefischerei, das Straßenfußball auf dem Bolzplatz sowie die Martinsumzüge im Rheinland.
Nicht alles wurde aufgenommen. Die SPD-sommerfestliche Bratwurst scheiterte ebenso wie ein Übersetzungsprojekt für palästinensische Autor:innen – Letzteres hatte Weimer aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds gestrichen. Seine strenge Haltung bei der Kulturförderung stößt auf Widerstand; Kritiker:innen werfen dem Verfahren vor, zu restriktiv zu sein.
Auch das Fehlen des Döner Kebabs und unabhängiger linksalternativer Buchhandlungen überrascht viele. Diese Auslassungen unterstreichen die anhaltende Diskussion darüber, welche Traditionen die kulturelle Identität Deutschlands tatsächlich repräsentieren.
Die aktualisierte Liste des immateriellen Kulturerbes umfasst nun 133 Traditionen. Die Verantwortlichen betonen, dass die Auswahl strengen kulturellen Kriterien folge. Dennoch befeuern die Entscheidungen weiterhin die Debatte darüber, was erhaltenswert ist – und wer darüber bestimmen darf.






