Lagardes Dreistufenplan: Wie die EZB gegen Iran-Krise und Inflation kämpft
Theo KönigLagardes Dreistufenplan: Wie die EZB gegen Iran-Krise und Inflation kämpft
EZB-Präsidentin Christine Lagarde skizziert Dreistufenplan gegen Inflationsrisiken durch Iran-Konflikt
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat einen dreigliedrigen Plan vorgelegt, um die steigenden Inflationsrisiken im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt einzudämmen. Die Strategie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ölpreisschocks die Inflationsprognose der EZB für 2026 deutlich nach oben treiben – von 1,9 auf 2,6 Prozent. Analysten warnen, die Bank stehe unter Druck, ihren Fehler aus dem Jahr 2022 nicht zu wiederholen, als zögerliche Zinserhöhungen die Inflation auf über 10 Prozent hochschnellen ließen.
Lagardes erster Ansatz besteht darin, kurzfristige Energieschocks zu ignorieren. Die EZB geht davon aus, dass eine Reaktion auf vorübergehende Preissprünge mehr schaden als nützen könnte, da geldpolitische Maßnahmen erst mit Verzögerung wirken. Sollte die Inflation jedoch zu lange zu hoch bleiben – selbst ohne dauerhaft zu werden –, wird die Bank ihre Politik behutsam anpassen, um die Märkte nicht zu verunsichern.
Eine entschlossenere Gegenwehr ist für den Fall vorgesehen, dass sich die Inflation über einen längeren Zeitraum deutlich vom 2-Prozent-Ziel entfernt. Dieser dritte Baustein erfordert anhaltende Maßnahmen, um die Preise wieder unter Kontrolle zu bringen. Im schlimmsten Szenario der EZB droht nun eine stagnierende Wirtschaftsentwicklung für den Rest des Jahres 2026, gefolgt von einem zögerlichen Aufschwung – eine tiefere Energiekrise könnte sogar eine leichte Rezession auslösen.
Die Ölpreise haben sich inzwischen dem 95. Perzentil der Risikomodelle der EZB genähert und entsprechen damit ihren negativen Prognosen. Ein Teil der Störungen geht auf die Huthi-Angriffe auf die Schifffahrt im Roten Meer im Jahr 2023 zurück, durch die sich der Verkehr durch den Suezkanal halbierte – ein Rückgang, von dem man sich nie vollständig erholt hat. Nun rücken die Sorgen um die Straße von Hormus in den Fokus, eine kritische Engstelle für die globale Ölversorgung. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat gewarnt, dass steigende Energiepreise voraussichtlich zu höheren Verbraucherpreisen und einer schwächeren weltweiten Konjunktur führen werden.
Philip Lane, Chefvolkswirt der EZB, verglich die Entscheidungsfindung der Bank mit einem statistischen Probit-Modell. Bei jedem Treffen werden die Währungshüter die neuesten Daten abwägen, um zu entscheiden, ob sie handeln oder abwarten. Die Inflationskrise von 2022, ausgelöst durch pandemiebedingte Lieferkettenprobleme und Russlands Angriff auf die Ukraine, dient dabei als abschreckendes Beispiel. Damals ermöglichte das Zögern der EZB, die Zinsen frühzeitig anzuheben, einen ungebremsten Inflationsanstieg – ein Fehler, den die Verantwortlichen heute unbedingt vermeiden wollen.
Die EZB steht nun vor einem Balanceakt: Sie muss die Inflation bekämpfen, ohne eine mögliche Rezession zu vertiefen. Die aktualisierten Prognosen zeigen, dass sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation mehr als zwei Jahre lang erhöht bleiben werden, was entschlossene Gegenmaßnahmen erfordert. Angesichts der extrem hohen Ölpreise und der eskalierenden geopolitischen Spannungen werden die nächsten Schritte der Bank von Märkten und Regierungen gleichermaßen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.






