03 April 2026, 06:15

Kfz-Nachmarkt im Wandel: Warum Kunden Markenwerkstätten den Rücken kehren

Plakatwerbung Goodrich Reifen mit einem Auto und einer Person darin sowie Text mit Unternehmens- und Serviceinformationen.

Kfz-Nachmarkt im Wandel: Warum Kunden Markenwerkstätten den Rücken kehren

Steigende Kosten und veränderte Kundengewohnheiten prägen den deutschen Kfz-Nachmarkt Höhere Ausgaben und ein Wandel im Verbraucherverhalten verändern die Automobil-Nachverkaufsbranche in Deutschland. Fast die Hälfte der Autofahrer sieht sich mit gestiegenen Kosten konfrontiert – viele wechseln daher von Markenwerkstätten zu unabhängigen Betrieben. Branchenvertreter diskutierten kürzlich, wie künstliche Intelligenz, digitale Lösungen und neue Strategien Unternehmen helfen können, sich an diese Entwicklungen anzupassen.

Gleichzeitig treiben strengere Abgasvorschriften und eine alternde Fahrzeugflotte die Nachfrage nach fortschrittlicher Diagnostik und Reparaturen voran. Doch es gibt weiterhin Herausforderungen: Unabhängige Werkstätten kämpfen mit eingeschränktem Zugang zu Herstellerdaten und Spezialwerkzeugen.

Kunden wandern ab – Markenwerkstätten verlieren an Boden Aktuelle Daten zeigen, dass 48,3 % der Autofahrer mit deutlich höheren Kosten zu kämpfen haben. Dieser finanzielle Druck führt dazu, dass immer mehr Fahrer unabhängige Werkstätten bevorzugen – ein Trend, den Imelda Labbé, Präsidentin des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), betont. Sie kritisiert, dass Händler Chancen im Aftersales-Bereich verpassen, während Kunden zunehmend auf Drittanbieter setzen.

Seit 2020 verzeichnen unabhängige Werkstätten eine wachsende Nachfrage, angetrieben durch eine ältere Fahrzeugflotte und steigende Autoverkäufe. Der Sektor dominiert bereits den Markt für Diagnosegeräte und Werkstattausrüstung und hält seit 2021 den größten Marktanteil. Doch verschärfte Emissionsregeln und der rasante technologische Fortschritt erfordern ständige Investitionen in moderne Ausrüstung. Ohne besseren Zugang zu Herstellerdaten und Spezialwerkzeugen drohen unabhängige Betriebe gegenüber den Werkstätten der Fahrzeughersteller (OEM) ins Hintertreffen zu geraten.

Digitalisierung und KI als Game-Changer Bei den Branchengesprächen standen digitale Lösungen und künstliche Intelligenz im Mittelpunkt. Marten Kalmbach, Servicemanager bei der Kunzmann Group, sieht besonders in der Terminplanung und Rechnungsstellung Potenzial für Effizienzsteigerungen durch Automatisierung. Paul Beer, Leiter der Aftersales-Digitaldienste bei Emil Frey Digital, präsentierte die "INSiDE Workbench", ein Tool, das Nachverkaufsprozesse optimieren soll. Gleichzeitig analysierten Dr. Eric Günter Krause und Rolf Bialas, wie KI die Finanzprozesse in der Automobilbranche revolutioniert.

Doch nicht nur die Technik, auch die Vermarktungsstrategien entwickeln sich weiter. Tolga Toker, Filialleiter bei der Bobrink Group, berichtete, wie eine bundesweite Social-Media-Kampagne wöchentlich rund 200 Kundenanfragen generiert. Peter Schäfer, Geschäftsführer von KreuterMedeleSchäfer, betonte die Bedeutung regionaler Vertriebs- und Werkstattdienstleistungen, um Kunden langfristig zu binden. Kai Vogler, Vorstand der Volkswagen Financial Services (VWFS), unterstrich dies und wies darauf hin, dass der Aftersales-Bereich entscheidend für die Kundenbindung ist – besonders im Gebrauchtwagenmarkt.

Zukunftsszenarien: Smarte Brillen statt Smartphones? Ein Blick nach vorn zeigt: Prof. Dr. Mario Fischer skizzierte kommende KI-Innovationen, darunter die mögliche Ablösung von Smartphones durch intelligente Datenbrillen. Solche Entwicklungen könnten die Interaktion zwischen Kfz-Dienstleistern und Kunden sowie die Betriebsabläufe grundlegend verändern.

Der Kfz-Nachmarkt steht vor einem Umbruch Der Automobil-Nachverkaufsmarkt befindet sich an einem Scheideweg. Höhere Kosten, strengere Vorschriften und technologische Veränderungen treiben Kunden in unabhängige Werkstätten – doch der Zugang zu Daten und Werkzeugen bleibt eine Hürde. Unternehmen, die auf KI, digitale Arbeitsabläufe und zielgruppengerechtes Marketing setzen, sind besser gerüstet, um die Nachfrage zu bedienen und Kunden zu halten.

Wie sich das Kräfteverhältnis zwischen Herstellern und unabhängigen Betrieben entwickelt, hängt davon ab, wer sich schneller an neue Technologien und veränderte Kundenerwartungen anpassen kann.

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