27 April 2026, 22:15

CDU und AfD in Biebesheim: Skandal um geheime Wahlabsprache erschüttert Gemeinde

Eine Liniengrafik, die die Konfliktmilderungsfinanzierung in Sudan zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

CDU und AfD in Biebesheim: Skandal um geheime Wahlabsprache erschüttert Gemeinde

In Biebesheim am Rhein ist ein politischer Streit entbrannt, nachdem Mitglieder von CDU und AfD gemeinsam einen AfD-Kandidaten in den Gemeindevorstand gewählt haben. Das ungewöhnliche Bündnis, das die CDU als "ungeplant" bezeichnet, hat Ausschlussverfahren gegen die Beteiligten ausgelöst.

Der Schritt widerspricht der langjährigen Linie der CDU, eine Zusammenarbeit mit der rechtspopulistischen Partei abzulehnen.

Die Kontroverse begann, als CDU- und AfD-Vertreter eine gemeinsame Kandidatenliste für die Wahl der ehrenamtlichen Beigeordneten einreichten. Dies war eine direkte Herausforderung an einen Gegenvorschlag von SPD, Grünen und Freien Wählern, die gemeinsam 17 der 31 Sitze im Gemeinderat halten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Harth hatte offen dafür plädiert, dass seine Partei einen Posten als Beigeordneter sichert – trotz der geringeren Präsenz der AfD mit nur sechs Sitzen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Zunächst gab es Uneinigkeit zwischen den beiden Parteien. Schließlich einigten sie sich jedoch auf einen gemeinsamen Vorschlag, woraufhin der AfD-Kandidat Bernd Kahnert in den Vorstand gewählt wurde. Die CDU behauptete später, die gemeinsame Abstimmung sei "spontan und unabgestimmt" erfolgt, und betonte, dies verstoße gegen interne Richtlinien zur Zusammenarbeit mit der AfD.

Als Reaktion leitete der CDU-Kreisverband Groß-Gerau Ausschlussverfahren gegen die beteiligten Mitglieder ein. Der Kreisvorsitzende Stefan Sauer bestätigte, die Entscheidung sei endgültig und nicht verhandelbar, und deutete weitere disziplinarische Maßnahmen an. Auch der hessische CDU-Generalsekretär Leopold Born unterstützte den Schritt und forderte "sofortiges und entschlossenes" Vorgehen gegen lokale Kooperationen mit der AfD.

Eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) zeigt, dass solche Bündnisse kein Einzelfall sind. Zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 wiesen fast 19 Prozent von 5.000 inhaltlichen Kommunalabstimmungen "direkte Zusammenarbeit" anderer Parteien mit der AfD auf. Die Studie stellt zudem fest, dass vor allem fraktionslose Gemeinderäte und Mitglieder kleinerer Parteien mit der rechtspopulistischen Gruppe kooperieren.

Die CDU hat nun formelle Schritte eingeleitet, um die Mitglieder zu entfernen, die gegen die Parteilinie verstoßen haben. Der Vorfall unterstreicht die anhaltenden Spannungen in der Kommunalpolitik über den Umgang mit der AfD. Gleichzeitig deuten die WZB-Ergebnisse darauf hin, dass ähnliche Kooperationen weiter verbreitet sein könnten, als bisher angenommen.

Quelle