Apotheker verliert Zulassung nach jahrelangem Betrug und Hygieneskandal
Moritz PetersApotheker verliert Zulassung nach jahrelangem Betrug und Hygieneskandal
Ein Apotheker, der 2010 die problembehaftete Apotheke seines Bruders übernommen hatte, hat nun endgültig seine Berufszulassung verloren. Die Entscheidung, die am 2. Februar 2022 rechtskräftig wurde, folgte auf Jahre des Betrugs, behördliche Verzögerungen und eine Verurteilung wegen Straftaten. Der Fall hat das öffentliche Vertrauen in Apotheker in ganz Deutschland weiter untergraben.
Der Skandal nahm seinen Anfang, als der Apotheker das bereits wegen Abrechnungsbetrugs untersuchte Geschäft seines Bruders übernahm. Statt die Missstände zu beenden, führte er das betrügerische System mindestens drei weitere Jahre fort. Ermittler deckten später 65 Fälle von Betrug auf, bei denen ein Schaden von über 1,6 Millionen Euro entstand. Der Apotheker stellte Rechnungen für Medikamente, die er nie ausgab, und teilte die Gewinne mit eingewilligten Patienten.
Er beendete die betrügerischen Machenschaften im Dezember 2013 und erstattete den betroffenen Krankenkassen den vollen Betrag. Dennoch leiteten die Behörden 2015 ein Verfahren zur Aussetzung seiner Approbation ein, unternahmen jedoch keine sofortigen Schritte und warteten stattdessen den Abschluss des Strafverfahrens ab. 2021 kamen weitere Unregelmäßigkeiten ans Licht, darunter unsachgemäße COVID-19-Tests und mangelnde Hygienestandards.
Während des Prozesses gab der Apotheker zu, auf Drohungen von Patienten eingegangenen zu sein, und behauptete, er habe lediglich seinen Bruder schützen wollen. Das Gericht wies diese Argumentation zurück und urteilte, dass sein Handeln das öffentliche Vertrauen in den Apothekerberuf schwer beschädigt habe. Er erhielt eine zweijährige Bewährungsstrafe für seine Rolle in dem Betrugsskandal.
Die endgültige Entziehung seiner Approbation erfolgte Anfang 2022 nach einem langwierigen juristischen Verfahren. Der Fall hat zu einem weiteren Vertrauensverlust beigetragen: Bundesweite Umfragen zeigen einen Rückgang des Vertrauens in Apotheker um 15 bis 20 Prozent seit 2021. Die Forderungen nach strengeren Zulassungsvorschriften und schärferen Kontrollen sind lauter geworden, doch bisher wurde keine konkrete Reform umgesetzt.






