03 April 2026, 04:15

Apothekensterben in Deutschland: Warum über 2.300 Filialen in fünf Jahren verschwanden

Plakat, das zeigt, dass Big Pharma 2022 Amerikaner zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet hat wie in anderen Ländern, mit Bildern von Medikamentenflaschen und einer Spritze.

Apothekensterben in Deutschland: Warum über 2.300 Filialen in fünf Jahren verschwanden

Apothekensterben in Deutschland: Über 2.300 Standorte in fünf Jahren geschlossen

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Zahl der öffentlichen Apotheken in Deutschland ist in den vergangenen fünf Jahren drastisch gesunken. Zwischen 2020 und 2025 schlossen mehr als 2.300 Filialen – die Gesamtzahl verringerte sich damit von 19.081 auf etwa 16.600. Branchenvertreter haben nun zu den geplanten Reformen Stellung genommen, wobei die Reaktionen auf Änderungen bei Gebühren, Vorschriften und den Regeln für die Arzneimittelverteilung gemischt ausfallen.

Kritisch diskutiert werden auch die Zukunft des Verkaufs verschreibungspflichtiger Medikamente sowie die Kontrolle von Logistikdienstleistern in der Lieferkette.

Rückgang um 12 Prozent – doch Versorgungsengpässe bleiben aus Die aktuellen Zahlen zeigen einen kontinuierlichen Rückgang des Apothekennetzes in Deutschland. Gab es 2020 noch 19.081 öffentliche Apotheken, sank die Zahl bis Ende 2025 um 12 Prozent auf rund 16.600. Thomas Preis, Präsident der Bundesapothekerkammer (ABDA), verwies auf einen langfristigen Trend: Bereits in den vergangenen 13 Jahren habe es einen Rückgang gegeben. Trotz der Schließungen fand Iris an der Heiden vom IGES-Institut jedoch keine Hinweise darauf, dass sich die Versorgung der Bevölkerung verschlechtert habe. Die meisten Schließungen betrafen städtische und mittelgroße Zentren, wo die Apothekendichte ohnehin höher war, während ländliche Regionen weniger stark betroffen waren.

Reformpläne spalten die Branche Die Reaktionen auf den Entwurf des Apothekenreformgesetzes fallen unterschiedlich aus. Preis bezeichnete die Vorschläge als "Schritt in die richtige Richtung", insbesondere den Plan, die Festgebühr über eine begleitende Verordnung anzuheben. Markus Grunenberg vom GKV-Spitzenverband warnte jedoch, dass eine solche Erhöhung das Gesundheitssystem mit zusätzlichen Kosten von einer Milliarde Euro belasten würde. Unterdessen forderte Dr. Stefan Hartmann vom Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) eine separate Regelung für die Erstattung von Rezepturarzneimitteln. Die aktuellen Vorschriften würden spezifische Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigen, so Hartmann.

Streit um Verschreibungspflicht und Biosimilars Umstritten ist auch die Frage, ob verschreibungspflichtige Medikamente künftig rezeptfrei abgegeben werden dürfen. Ulrich Langenberg, Leiter der Abteilung Gesundheitspolitik bei der Bundesärztekammer (BÄK), lehnte dies entschieden ab. Ein weiterer Konfliktpunkt sind Exklusivverträge für Biosimilars. Bork Bretthauer von Pro Generika räumte zwar eine stabile Versorgung mit diesen Arzneimitteln ein, forderte jedoch ein Verbot wettbewerbsbeschränkender Absprachen.

Logistik und Qualitätsstandards in der Kritik Zusätzliche Bedenken gibt es bei der Logistik und den beruflichen Standards. Thomas Porstner vom Phagro-Großhandelsverband forderte strengere Kontrollen, um sicherzustellen, dass Logistikdienstleister die Lagerungs- und Transportvorschriften einhalten. Anja Zierath vom Bundesverband der Pharmazeutisch-technischen Assistenten (BVpta) lehnte Vorschläge für eine Apothekenvertretung ohne verpflichtende Weiterbildung ab und betonte, dass Qualifikationen Priorität haben müssten.

Zukunft der Apothekenbranche ungewiss Während die Apothekendichte vor allem in Städten schrumpft, gibt es bisher keine Hinweise auf Versorgungslücken. Doch wie die finanziellen und regulatorischen Herausforderungen bewältigt werden sollen, darüber ist sich die Branche uneinig. Die Ergebnisse der aktuellen Debatten werden maßgeblich darüber entscheiden, wie sich Arzneimittelverteilung, Preispolitik und Berufsstandards in Deutschland künftig entwickeln.

Quelle