Apotheken kämpfen um Liquidität: Wie Vorfinanzierung vor der Pleite schützt
Theo KönigApotheken kämpfen um Liquidität: Wie Vorfinanzierung vor der Pleite schützt
Deutsche Apotheken stehen unter wachsendem Finanzdruck, da die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente steigen und die Erstattungen der Krankenkassen oft verspätet eintreffen. In den vergangenen zwei Jahren hat diese Belastung immer mehr Betriebe an den Rand der Insolvenz gedrängt – das Risiko ist um 25 Prozent gestiegen. Um Liquiditätsengpässe zu überbrücken, greifen viele Apotheken mittlerweile auf die Vorfinanzierung ihrer Rechnungsforderungen aus Rezepten zurück.
Der Trend nimmt Fahrt auf: Clearingstellen bieten maßgeschneiderte Lösungen an, um Zahlungsschwierigkeiten zu vermeiden.
Zwischen 2024 und 2026 haben stark gestiegene Arzneimittelpreise und verzögerte Auszahlungen der Krankenkassen nach Angaben des ABDA (Deutscher Apothekerverband) über 1.200 Apotheken in die Insolvenzgefahr gebracht. Hohe Rezeptkosten und ausstehende Zahlungen zwangen viele Betreiber dazu, früher auf Gelder zuzugreifen, die sie eigentlich erst nach Bearbeitung ihrer Abrechnungen erhalten hätten.
Clearingstellen springen hier mit flexiblen Finanzierungsmodellen ein. Anders als klassische Banken bieten diese Anbieter niedrigere Zinsen und individuelle Konditionen. Apotheken können dabei nur Beträge vorfinanzieren, die sie bereits erwirtschaftet haben – so wird verhindert, dass sie sich über zukünftige Forderungen hinaus verschulden.
Die ARZ Haan hat etwa ein Premium-Paket namens FlexZahlungBusiness eingeführt. Hier fallen 0,02 Prozent Tagesgebühr für vorzeitige Auszahlungen an, dazu kommen keine Überweisungskosten und eine feste monatliche Grundgebühr von 115 Euro. Die Apotheken steuern die Transfers direkt über das System und können so ihren Cashflow bedarfsgerecht anpassen.
Auch andere Anbieter wie Noventi ermöglichen Vorabzahlungen. Ihre Gebühren setzen sich aus einem Festpreis und einem variablen Aufschlag zusammen, der an den Ein-Monats-Euribor der Bundesbank gekoppelt ist. Höhe und Laufzeit der Finanzierung richten sich nach den individuellen Geschäftsanforderungen der jeweiligen Apotheke.
Die Vorfinanzierung entwickelt sich für viele Apotheken zur Überlebenshilfe angesichts steigender Kosten und verzögerter Zahlungseingänge. Da das Insolvenzrisiko um ein Viertel gestiegen ist, tragen die maßgeschneiderten Lösungen der Clearingstellen dazu bei, die Liquidität zu stabilisieren. Das System stellt sicher, dass Betriebe nur auf Gelder zugreifen, die sie bereits erwirtschaftet haben – und beugt so einer Überverschuldung vor.






