Apobank warnt: Deutschlands Apotheken stehen vor dem Kollaps durch Online-Konkurrenz
Theo KönigApobank warnt: Deutschlands Apotheken stehen vor dem Kollaps durch Online-Konkurrenz
Deutschlands Arzneimittelversorgung steht am Scheideweg, warnt Matthias Schellenberg, Vorstandsvorsitzender der Apobank. Die auf die Finanzierung des Gesundheitswesens spezialisierte Bankengruppe schlägt Alarm angesichts der wachsenden Dominanz von Versand- und Online-Apotheken. Schellenberg betont, dass die jetzt getroffenen Entscheidungen die Zukunft der klassischen Apotheken im Land prägen werden.
In den vergangenen drei Jahren verzeichneten Online-Apotheken ein jährliches Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent. Ihr Marktanteil stieg von 12 auf über 18 Prozent, während große Drogerieketten wie dm und Rossmann ihren Absatz rezeptfreier Produkte auf 25 bis 30 Prozent ausbauten.
Schellenberg stellt klar: Arzneimittel seien keine gewöhnlichen Konsumgüter. Eine rein kommerzielle Ausrichtung des Pharmamarktes lehnt er ab. Lokale Apotheken leisteten einen unverzichtbaren Beitrag zur Arzneimittelsicherheit und fachkundigen Beratung – Leistungen, die digitale Alternativen nicht einfach ersetzen könnten.
Der Bankchef verweist zudem auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch ausländische Online-Händler und große inländische Ketten. Diese Unternehmen hätten ihre Marktposition aggressiv ausgebaut, oft mit Preiskampagnen, um Kunden von den Präsenzapotheken abzuwerben. Schellenberg bezeichnet diese Entwicklung als leichtsinnig und warnt vor schweren Folgen, sollte das professionell geführte Gesundheitsnetz weiter ausgehöhlt werden.
Die Apobank fordert die Politik auf, Apotheken als systemrelevanten Bestandteil der Gesundheitsinfrastruktur anzuerkennen. Schellenberg appelliert an die Abgeordneten, die Sorgen der Apotheker ernst zu nehmen, um eine zuverlässige Arzneimittelversorgung und Beratung zu gewährleisten. Zwar unterstützen einige Landesregierungen die Forderungen – doch welche Vorschläge im Parlament konkret vorankommen, bleibt ungewiss.
Daten der Branchenanalysten IQVIA und des Deutschen Apothekerverbands (ABDA) bestätigen das rasante Wachstum von Online- und Handelsapotheken: Zwischen 2023 und 2025 stieg der Marktanteil der Online-Anbieter von 12 auf über 18 Prozent, während Drogerieketten ihren Anteil an rezeptfreien Produkten auf fast ein Drittel ausbauten.
Die Debatte um die Zukunft der Arzneimittelversorgung in Deutschland wird immer hitziger. Die Warnungen der Apobank unterstreichen die Spannungen zwischen traditionellen Apotheken und den wachsenden Online- und Handelskonkurrenten. Mit teilweise unterstützenden Landesregierungen wird sich nun zeigen, welche Reformen das Parlament auf den Weg bringt – und wie sich der Sektor weiterentwickelt.






