09 May 2026, 12:15

AfD-Politiker Tillschneider stellt deutsche Erinnerungskultur infrage und löst Empörung aus

Ein Buch mit dem Titel 'Deutsches Kolonial-Feitung' aus dem Jahr 11/1940 mit einem Bild von Adolf Hitler auf dem Cover, umgeben von Menschen mit Mützen.

AfD-Politiker Tillschneider stellt deutsche Erinnerungskultur infrage und löst Empörung aus

Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, hat mit einer Äußerung zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus für Aufsehen gesorgt. Seine Aussagen stellen die lang etablierte deutsche Erinnerungskultur und historische Verantwortung infrage.

Tillschneider lehnte zentrale Elemente der deutschen Nachkriegsidentität ab und zog anerkannte historische Narrative in Zweifel. In seiner Rede zum Jahrestag räumte er zwar die Befreiung vom NS-Regime ein, deutete sie jedoch als Moment des Verlusts. Er behauptete, Deutschland habe für die „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“ als Folge der militärischen Niederlage einen hohen Preis gezahlt. Damit verlagerte er den Fokus von den Verbrechen des NS-Regimes auf die Konsequenzen, die Deutschland nach 1945 tragen musste.

Die deutsche Nachkriegsgeschichtsschreibung bezeichnete er als „absurde Schuldkultur“ und eine „imaginäre Kollektivschuld“. Diese Formulierungen widersprechen direkt der weit verbreiteten Auffassung, dass Deutschland sich seiner Vergangenheit stellen muss. Tillschneider ging noch weiter und zitierte Franz Josef Strauß, der den Prozess der Vergangenheitsbewältigung einst als „ewige Buße“ bezeichnete.

Der AfD-Politiker lehnte auch die historische Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985 ab, in der dieser die deutsche Verantwortung für den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg anerkannt hatte. Tillschneider bezeichnete sie als „geistige Kapitulation“ und positionierte seine Partei damit außerhalb des nationalen Konsenses zu Schuld und Sühne. Stattdessen argumentierte er, die Deutschen hätten sich nur aus psychologischer Schwäche und dem Wunsch, der Schuld zu entfliehen, mit den Werten der Befreier identifiziert.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Seine Argumentation reduzierte die NS-Verbrechen auf „schlechtes Führungsversagen an der Spitze“ und beklagte gleichzeitig den Niedergang der militärischen Stärke der Wehrmacht. Anstatt die Befreiung zu feiern, forderte er eine „normale deutsche Identität“, frei von dem, was er als übertriebene Selbstanklage empfindet.

Tillschneiders Aussagen passen in die breitere Strategie der AfD, die deutsche Geschichtsschreibung neu zu definieren. Die Haltung der Partei riskiert, sie von dem etablierten politischen und moralischen Rahmen Deutschlands zu isolieren, der seit Langem auf Erinnerung und Verantwortung basiert. Seine Äußerungen markieren einen bewussten Bruch mit dem deutschen Nachkriegskonsens zur historischen Verantwortung. Indem er Kollektivschuld ablehnt und die Befreiung als nationalen Verlust umdeutet, distanziert er die AfD von den Werten, die das moderne Deutschland geprägt haben.

Die Kommentare stoßen auf Kritik, weil sie das Gedenken an die NS-Opfer untergraben und die Debatte über die moralischen Verpflichtungen des Landes neu entfachen. Ihre Wirkung könnte die Position der Partei weiter außerhalb des politischen Mainstreams verfestigen.

Quelle