Wie Hindenburgs Flaggenverordnung 1926 die Weimarer Republik spaltete
Moritz FischerWie Hindenburgs Flaggenverordnung 1926 die Weimarer Republik spaltete
Am 5. Mai 1926 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung der Weimarer Republik. Der Schritt sollte einen langwierigen Streit über die deutschen Nationalfarben beilegen. Doch stattdessen vertiefte er die politischen Gräben im Land.
Der Konflikt war entbrannt, als die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) eine Rückkehr zu den alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot forderte. Der parteilose Reichskanzler Hans Luther reagierte auf diesen Antrag mit einem Kompromissvorschlag, den Hindenburg unterstützte – in der Hoffnung, die verfeindeten Lager zu versöhnen.
Am 9. Mai veröffentlichte der Reichspräsident einen offenen Brief, in dem er eine verfassungsgemäße Lösung des Flaggenstreits anmahnte. Sein Appell an die Einheit konnte die Spannungen jedoch kaum mildern. Die Nationalversammlung hatte bereits versucht – und war gescheitert –, die Frage zu klären, indem sie Schwarz-Rot-Gold als Nationalflagge festlegte, während die Handelsflagge beide Farbkombinationen vereinte.
Edwin Redslob, der Reichskunstwart, erhielt den Auftrag, eine einheitliche Flagge zu entwerfen. Sein Vorschlag – ein rot-gelbes Feld mit einem schwarzen Balkenkreuz – setzte sich jedoch nicht durch. Die schließlich verabschiedete Verordnung schrieb vor, dass deutsche Vertretungen außerhalb Europas sowohl die schwarz-rot-goldene Trikolore als auch die schwarz-weiß-rote Handelsflagge hissen mussten.
Doch der Streit spitzte sich weiter zu: Die Rechte bestand auf Schwarz-Weiß-Rot, während Linke und Zentrum unbeugsam zu Schwarz-Rot-Gold standen. Kein Kompromiss konnte die Kluft überbrücken.
Der Flaggenkonflikt zog sich bis 1933 hin und spiegelte die tiefen inneren Spaltungen Deutschlands wider. Hindenburgs Verordnung, die eigentlich zur Lösung beitragen sollte, wurde stattdessen zum Symbol der ungelösten Widersprüche des Landes. Beide Flaggen wehten weiter – jede für sich ein Zeichen der zerrissenen Nation.






