Streit um geplantes Gaskraftwerk in Mainz: Klimaziele vs. 44-Millionen-Projekt
Theo KönigStreit um geplantes Gaskraftwerk in Mainz: Klimaziele vs. 44-Millionen-Projekt
Pläne für ein neues Gaskraftwerk in Mainz stoßen auf heftigen Widerstand
Die Pläne für ein neues gasbetriebenes Kraftwerk in Mainz sehen sich massiver Kritik von Umweltschutzorganisationen ausgesetzt. Ein Bündnis, dem unter anderem Scientists for Future und der BUND Mainz angehören, verurteilte das Vorhaben als teure und überholte Lösung, die die Klimaziele der Stadt gefährde. Das für die Ingelheimer Aue vorgesehene 44-Millionen-Euro-Projekt hat nach zahlreichen Einwänden nun ein formelles Prüfverfahren ausgelöst.
Die Koalition aus Klima- und Umweltschutzverbänden wirft den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden (KMW) vor, das Gaskraftwerk trotz des Mainzer Ziels, bis 2035 klimaneutral zu werden, vorantreiben zu wollen. Prof. Friedhelm Schönfeld von Scientists for Future Mainz bezeichnete gaserzeugten Strom als sowohl teuer als auch klimaschädlich. Das Projekt untergrabe direkt die eigenen Umweltverpflichtungen der Stadt, so der Wissenschaftler.
Maren Goschke vom BUND Mainz warnte, die Investition von 44 Millionen Euro binde die Region für Jahrzehnte an „veraltete, konventionelle Gaskraftwerkstechnologie“. Zudem zweifelt das Bündnis die Behauptung von KMW an, die Anlage könne später auf Wasserstoff umgestellt werden. Solche Pläne seien unrealistisch, ökologisch fragwürdig und finanziell riskant.
Auch Greenpeace Mainz-Wiesbaden teilte diese Bedenken und betonte, das neue Kraftwerk könnte die Fortschritte der Stadt auf dem Weg zur Klimaneutralität zunichtemachen. Michael Lengersdorff, Sprecher der Initiative MainzZero, forderte einen offenen Dialog und fragte, wie der Bau neuer Gasinfrastruktur mit den Klimazielen vereinbar sei.
Die Gruppen verwiesen auf Batteriespeicher als erprobte und deutlich günstigere Alternative, deren Kosten in den vergangenen Jahren stark gesunken seien. Ihre Einwände – insgesamt zehn formelle Stellungnahmen – wurden vom Strukturdirektion Süd (SGD Süd) als „hinreichend begründet und konkret“ eingestuft. Eine für den 7. Mai geplante Anhörung wurde daraufhin abgesagt, um die Bedenken eingehend zu prüfen.
Das geplante Gaskraftwerk muss nun mit Verzögerungen rechnen, während die Behörden die Einwände detailliert prüfen. Da Umweltschützer auf erneuerbare Alternativen drängen und die langfristige Tragfähigkeit des Projekts infrage stellen, wird die Entscheidung darüber bestimmen, ob die 44-Millionen-Investition umgesetzt wird. Gleichzeitig könnte das Ergebnis Auswirkungen auf die Fähigkeit Mainzer haben, das selbstgesteckte Ziel der Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen.






