Merz' 50-Euro-Rentenplan: Warum viele Deutsche damit nicht klarkommen
Moritz FischerMerz' 50-Euro-Rentenplan: Warum viele Deutsche damit nicht klarkommen
Bundeskanzler Friedrich Merz rät jungen Menschen, monatlich 50 Euro für die Altersvorsorge zurückzulegen. Doch für viele Deutsche ist dieser Betrag angesichts knapper Haushaltsbudgets kaum zu stemmen. Kritiker werfen dem Vorschlag vor, er basiere auf unrealistischen Annahmen zu Zinsen und Inflation.
Merz' Plan geht von einer jährlichen Rendite von sechs Prozent aus. Wer über 40 Jahre hinweg monatlich 50 Euro bei dieser Verzinsung anspart, käme vor Steuern und Inflation auf etwa 79.365 Euro. Um einen sechsstelligen Betrag zu erreichen, müsste man stattdessen 45 Jahre lang sparen.
Fachleute betonen, dass 50 Euro weit unter der empfohlenen Sparrate liegen. Sie raten dazu, mindestens 15 Prozent des Nettoeinkommens monatlich beiseitezulegen. 2023 lag der durchschnittliche Nettolohn in Deutschland bei 2.425 Euro – 15 Prozent davon entsprechen etwa 364 Euro, deutlich mehr als die vorgeschlagenen 50 Euro.
Die Skepsis in der Bevölkerung ist groß: 83 Prozent der Deutschen zweifeln an der langfristigen Stabilität der gesetzlichen Rente. Das aktuelle Rentenniveau deckt gerade einmal 48 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens ab. Kritiker verweisen zudem darauf, dass Merz' Plan die Inflation außer Acht lässt und von konstant hohen Renditen ausgeht – Annahmen, die der Realität oft nicht standhalten.
Für eine sichere Altersvorsorge fordern Experten höhere Löhne, geringere Gebühren und ein verlässlicheres Rentensystem. Ohne solche Reformen könnte selbst konsequentes Sparen keine finanzielle Sicherheit im Alter garantieren. Die Diskussion darüber, wie Altersvorsorge für die Mehrheit der Menschen realistisch gestaltbar ist, bleibt damit weiter offen.