Hessens Rentner-Apotheker wehren sich mit Kaffee-Touren gegen 40-Euro-Gebühr
Moritz PetersHessens Rentner-Apotheker wehren sich mit Kaffee-Touren gegen 40-Euro-Gebühr
40-Euro-Gebühr für Rentner-Apotheker in Hessen löst Widerstand und kreative Ausweichmanöver aus
Die neu eingeführte vierteljährliche Gebühr von 40 Euro für pensionierte Apotheker in Hessen hat für Aufruhr und einfallsreiche Vermeidungsstrategien gesorgt. Die Landesapothekerkammer Hessen (LAK) hatte die Abgabe nach einer Gesetzesänderung eingeführt – doch ihre Eintreibung gestaltet sich alles andere als einfach. Die Behörden sehen sich einem zähen Kampf gegenüber, da sich viele ältere Apotheker weigern zu zahlen und dabei von veralteten Telefonen bis zu spontanen Reisen alles nutzen, um die Gebühr zu umgehen.
Die Eintreibungsaktion, intern unter dem Codenamen Operation Abendsonne (KoReLa) geführt, wird von Friedrich Geerth geleitet, dem Leiter der zuständigen Abteilung. Sein Team scheitert mit klassischen Methoden: Telefonate schlagen fehl, weil Festnetzanschlüsse abgeschaltet sind oder Senioren einfach auflegen. Ein besonders kurioser Fall betraf den jungen Mitarbeiter Leon-Luca Wagner-Neumann, der den Beitrag von Dr. Roswitha Hinkebein einziehen sollte – eine Apothekerin, die seit 1972 zugelassen ist. Er verbrachte einen ganzen Tag damit, sie ausfindig zu machen, doch sie entkam ihm, indem sie kurzentschlossen in einen Ausflugsbus zur Lüneburger Heide stieg – Ziel: eine Kaffee-und-Kuchen-Tour.
Um den Widerstand zu mildern, startete die Taskforce eine "Service-Offensive" und lockte mit Vergünstigungen wie VHS-Kursen, Aqua-Fitness-Angeboten und Senioren-Fahrkarten. Doch die Proteste reißen nicht ab. Allein in dieser Woche demonstrierten fast 25.000 Apotheker in deutschen Städten gegen die neuen Abgaben.
Der Streit eskaliert just zu dem Zeitpunkt, an dem die Gesundheitsfinanzkommission am Montag weitreichende Sparmaßnahmen im Umfang von zehnt Milliarden Euro verkünden will. Dr. Andreas Gassen, Vorsitzender des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (KBV), warnte bereits, dass Gebührenkürzungen zu weniger Arztterminen führen würden. Die Spannungen spiegeln eine tiefere Frustration im Gesundheitssektor wider – über steigende Kosten und schrumpfende Ressourcen.
Die 40-Euro-Gebühr bleibt zwar bestehen, doch ihre Durchsetzung offenbart die Schwierigkeiten, neue Abgaben einer entschlossenen, alternden Belegschaft aufzuerlegen. Angesichts wachsender Proteste und stockender Eintreibungsversuche könnte die LAK ihre Strategie überdenken müssen. Gleichzeitig drohen die anstehenden Sparpläne die Beziehungen zwischen Leistungserbringern und Regulierungsbehörden weiter zu belasten.






