Helene Bubrowski wird erste Mitverlegerin der FAZ – ein historischer Wandel
Moritz FischerHelene Bubrowski wird erste Mitverlegerin der FAZ – ein historischer Wandel
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat Helene Bubrowski zur neuen Mitverlegerin berufen – ein historischer Wechsel in der Führung des Blattes. Ab dem 1. Januar 2027 wird sie als erste Frau in den bisher rein männlich besetzten Verlagsvorstand einziehen, der seit Jahrzehnten besteht. Mit dieser Personalie vollzieht die traditionell konservative Zeitung zugleich eine weitere Verschiebung in Richtung gemäßigter linker Positionen.
Bubrowski blickt auf eine lange Karriere bei der FAZ zurück, in der sie unter anderem als Berlin-Korrespondentin und Redakteurin für Rechtspolitik tätig war. Ihre Berichterstattung über die Grünen fiel oft wohlwollend aus und spiegelte eine progressive Haltung wider – eine Linie, die zum schrittweisen Wandel der FAZ passt. Dieser Prozess, den Insider als VerTAZung bezeichnen, gewann nach dem Tod des langjährigen Mitverlegers Frank Schirrmacher 2014 an Fahrt.
Ihr Einfluss beschränkt sich nicht auf den tagespolitischen Journalismus. 2025 erhielt sie den Theodor-Wolff-Preis, die renommierteste journalistische Auszeichnung Deutschlands, für ihren FAZ-Essay Warum den Deutschen ein bisschen mehr Optimismus guttäte. Der Text überzeugte durch eine Mischung aus Kulturkritik und zukunftsorientierter Perspektive.
Das Führungsmodell der FAZ ist im deutschen Medienland einzigartig: Die Verantwortung teilen sich vier Mitverleger, die jeweils unterschiedliche Ressorts leiten. Mit Bubrowskis Berufung festigt sich die reformorientierte Mehrheit im Gremium, zu der bereits Carsten Knop und Jürgen Kaube zählen. Gemeinsam prägen sie die Neuausrichtung der Zeitung, die sich zunehmend von ihren konservativen Wurzeln löst.
Ihre Ernennung fällt in eine Phase, in der die FAZ-Führung ohnehin als ungewöhnlich gilt. Während die meisten deutschen Zeitungen von einem einzigen Chefredakteur geleitet werden, sorgt das kollegiale Modell der FAZ dafür, dass keine einzelne Stimme dominiert. Bubrowski bringt nun eine neue Dynamik in dieses System.
Mit ihrer Beförderung durchbricht sie nicht nur eine langjährige Geschlechterbarriere, sondern unterstreicht auch die Hinwendung der FAZ zu gemäßigter linker Politik. Unter ihrem Einfluss dürfte sich die inhaltliche Ausrichtung der Zeitung weiterentwickeln – in einem Gremium, das bereits entschlossen ist, das politische Profil neu zu definieren. Ihr Amt tritt sie 2027 an; erstmals zählt dann eine Frau zum Kreis der FAZ-Mitverleger.






