17 March 2026, 00:47

Digitale Gesundheitsversorgung in Deutschland: Warum die ePA kaum genutzt wird

Ein Collage von sechs lächelnden Individuen verschiedenen Alters, Geschlechts und Ethnien mit dem Text "Die Zukunft der Gesundheit beginnt mit dir" darüber.

Digitale Gesundheitsversorgung in Deutschland: Warum die ePA kaum genutzt wird

Deutschlands Vorstoß für digitale Gesundheitsversorgung kommt nur langsam voran

Seit der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) im Jahr 2021 hat Deutschlands Digitalisierungsoffensive im Gesundheitswesen nur zögerliche Fortschritte gemacht. Trotz gesetzlicher Nachbesserungen wie dem Digitalen-Versorgung-Gesetz (DVG) bleibt die Nutzung gering: Bis 2025 setzen schätzungsweise nur 10 bis 15 Prozent der Patienten und Ärzte das System ein. Viele Mediziner zweifeln an dessen Sicherheit und praktischem Nutzen, während ländliche Regionen mit schlechter Breitbandanbindung und eingeschränktem Zugang zu digitalen Dienstleistungen kämpfen.

Die ePA sollte das deutsche Gesundheitssystem modernisieren, doch die Verbreitung stockt. Ärzte berichten von anhaltenden technischen Problemen, darunter Schwierigkeiten bei der Integration in bestehende Praxisoftware sowie bei der Datenweitergabe zwischen verschiedenen Plattformen. Rund 65 Prozent des medizinischen Personals bewerten den Datenschutz der ePA in Umfragen als "nicht sicher" oder "überhaupt nicht sicher". Weitere 84 Prozent sehen keinen spürbaren Vorteil im Praxisalltag – im Gegenteil: Sie klagen über zusätzlichen Verwaltungsaufwand ohne erkennbaren Nutzen.

Auch Patienten zeigen sich zurückhaltend. Viele sorgen sich um Datenschutzrisiken, andere empfinden das System als schwer bedienbar oder wissen schlicht nicht von seiner Existenz. In ländlichen Gebieten kommen weitere Hürden hinzu: Lückenhafte Internetversorgung und eingeschränkte Mobilität erschweren den Zugang zur digitalen Gesundheitsversorgung zusätzlich.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) fordert schnellere und zuverlässigere digitale Lösungen. Er betont die Notwendigkeit stabiler, kompatibler Plattformen, die Patienten und Versicherte ohne Unterbrechungen nutzen können. Der PKV schlägt zudem digitale Tools vor, um die Belastung der Arztpraxen zu verringern – etwa durch Online-Erstbewertungen oder vereinfachte Terminvergabe. Langfristig soll die ambulante Versorgung gestärkt werden, indem private Krankenversicherungen für Ärzte attraktiver gestaltet und Praxen in unterversorgten Regionen besser unterstützt werden.

Der Verband pocht auf Wettbewerb und zügige Umsetzung. Ohne eine solide technische Grundlage, warnt er, drohe die digitale Gesundheitsversorgung weiter zurückzufallen.

Die zögerliche Einführung der ePA spiegelt grundlegendere Probleme bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens wider. Technische Mängel, Sicherheitsbedenken und geringe Bekanntheit bremsen die Nutzung bei Ärzten und Patienten gleichermaßen. Um voranzukommen, müssen Politik und Versicherer diese Herausforderungen angehen – und sicherstellen, dass ländliche Regionen und kleinere Praxen nicht abgehängt werden.

AKTUALISIERUNG

Ärzte nutzen ePA weit verbreitet, aber Patienten hinken hinterher

Die verpflichtende Einführung des ePA hat zu einer starken Aufnahme bei medizinischen Anbietern geführt. Aktuelle Daten zeigen:

  • 85% der medizinischen Praxen haben Patientendateien abgerufen
  • 25 Millionen Medikationslisten wurden in einer Woche geöffnet
  • 117.000 Institutionen, darunter 10.500 Apotheken, nutzten das System in 12 Wochen Dies steht im Gegensatz zu den ursprünglichen Adoptionsprognosen von 10-15% für 2025 und deutet darauf hin, dass der Fortschritt bei Healthcare-Professionals trotz anhaltender Patientenskepsis schnell voranschreitet.