Aktivistin Martha Root stellt Minister Weimers umstrittene Jugendlyrik bloß
Moritz PetersAktivistin Martha Root stellt Minister Weimers umstrittene Jugendlyrik bloß
Die Aktivistin Martha Root hat Kulturminister Wolfram Weimer wegen seiner frühen Lyrik und jüngster Entscheidungen ins Visier genommen. Sie übergab dessen 1986 im Selbstverlag erschienene Gedichtsammlung „Kopfpilz“ an die Deutsche Nationalbibliothek. Das Buch enthält derbe Gedichte, die Root als Beispiele für „Vergewaltigungskultur“ bezeichnet.
Erstmals auf sich aufmerksam machte Root im Dezember 2022, als sie beim Chaos Communication Congress die rechtsextreme Dating-Plattform „White Date“ unterwanderte. Später kritisierte sie Weimer dafür, dass er linksgerichtete Buchhandlungen von einer Preisverleihung ausgeschlossen hatte, und warf ihm mögliche Interessenkonflikte in seinem Amt vor.
Die Gedichtsammlung, die Weimer mit 22 Jahren veröffentlichte, enthält umstrittene Werke wie „Vorfreude“ und „Unglück“. Root digitalisierte das Buch und stellte es auf Archive.org für den kostenlosen öffentlichen Zugriff bereit. Zudem plant sie, ein physisches Exemplar zu versteigern – der gesamte Erlös soll an die Initiative „Lesen Hilft“ gehen.
Im März blockierte Weimer die Erweiterung ebenjener Bibliothek, in der Root „Kopfpilz“ hinterlegt hatte. Er begründete dies damit, dass physische Mediensammlungen im digitalen Zeitalter überholt seien. Root verurteilte, dass er sich weder mit den Inhalten seines Frühwerks auseinandersetze noch seine Haltung zur Zukunft der Bibliothek überdenke.
Das von Root gespendete Exemplar von „Kopfpilz“ liegt nun in der Bibliothek, deren Ausbau Weimer verhindern wollte. Ihre Aktionen haben die frühen Schriften und politischen Entscheidungen des Ministers erneut in den Fokus gerückt. Durch die Versteigerung und die digitale Veröffentlichung bleiben die Gedichte trotz Weimers Widerspruch zugänglich.






