AfD-Skandal: Fast die Hälfte der Bundestagsabgeordneten in Nepotismus-Verdacht
Moritz PetersFrohnmaier weist Vorwürfe der Vetternwirtschaft zurück - AfD-Skandal: Fast die Hälfte der Bundestagsabgeordneten in Nepotismus-Verdacht
Die Alternative für Deutschland (AfD) gerät zunehmend in die Kritik, nachdem mehrere Parteimitglieder beschuldigt werden, Angehörige beschäftigt zu haben. Markus Frohnmaier, Spitzenkandidat der AfD in Baden-Württemberg, verteidigte die Anstellung seiner Ehefrau bei einem AfD-Abgeordneten. Mittlerweile erstreckt sich der Skandal auf Dutzende Parlamentarier – Schätzungen zufolge könnte fast die Hälfte der Bundestagsfraktion betroffen sein.
Frohnmaier bestätigte, dass seine Ehefrau für Johann Martel, einen AfD-Bundestagsabgeordneten, arbeitet. Er argumentierte, ihre beruflichen Qualifikationen – und nicht ihre Ehe mit ihm – sollten im Mittelpunkt stehen. Seine Stellungnahme erfolgte nach Medienberichten, die ihre Beschäftigung als möglichen Interessenkonflikt darstellten.
Das Problem beschränkt sich jedoch nicht auf Frohnmaier. Auch der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt steht wegen ähnlicher Vorwürfe in der Kritik, bei denen es um die Anstellung von Angehörigen von Politikern geht. Laut eigener Angaben der Fraktion könnten bis zu 72 der 152 Bundestagsabgeordneten der Partei direkt oder indirekt mit Nepotismus-Vorwürfen in Verbindung stehen.
Zu den konkreten Fällen zählen die AfD-Abgeordneten Oliver Kirchner, Martin Reichardt und Jan Wenzel Schmidt, denen vorgeworfen wird, Familienmitglieder eingestellt zu haben. Das Ausmaß der Vorfälle wirft Fragen zur Transparenz und Fairness bei den Personalpraktiken der Partei auf.
Mittlerweile sind fast die Hälfte der AfD-Bundestagsabgeordneten von den Vorwürfen betroffen. Frohnmaiers Rechtfertigung der Beschäftigung seiner Ehefrau hat die Bedenken kaum zerstreut. Angesichts der zahlreichen bekannt gewordenen Fälle wächst der Druck auf die Partei, mögliche Interessenkonflikte bei ihren Einstellungspraktiken aufzuarbeiten.
AfD führt neue Einstellungsregeln ein, während ein wichtiger Akteur ausgeschlossen wird
Die AfD hat nach internem Druck einheitliche Regelungen für die Einstellung von Familienmitgliedern in Parlamentspositionen eingeführt. Am 16. Februar 2026 legte die Bundesgeschäftsführung einheitliche Regelungen für alle Parlamentsbüros fest. Jan Wenzel Schmidt, der im Zentrum des Skandals stand, wurde am 3. März 2026 wegen 'parteischädigenden Verhaltens' aus der Bundestagsfraktion ausgeschlossen. Co-Vorsitzende Alice Weidel forderte auch den Rücktritt des Fraktionsgeschäftsführers Stefan Keuter.